Juwel nur für ein Jahr
Superleichtgewichtler Valerie Prill sucht nach starken Auftritten für den JC Koriouchi die Herausforderung der 1. Judo-Bundesliga und wird wie einst sein Vater in Witten für die Sport-Union Annen kämpfen
Es war am 19. Mai nach dem 8:4-Sieg über den KSC Strausberg, als Harald Mantei einen richtigen Satz sprach: "Er ist wirklich ein Juwel." Und der Trainer des Judo-Zweitligisten JC Koriouchi Gelsenkirchen ahnte schon, dass er dieses Juwel nicht lange an den Klub binden kann. Daraus hat Valerie Prill auch nie ein Geheimnis gemacht. "Es war nur nicht klar, ob ich nach dieser oder erst nach der nächsten Saison gehen werde", sagt der fast 18-Jährige aus der Talentschmiede der Crocodiles Osnabrück, der die Gelsenkirchener Judo-Fans in seinem ersten Senioren-Jahr begeistert hat und 2008 für den Wittener Erstligisten Sport-Union Annen auf die Matte gehen wird.
Es ist nicht die Art Valerie Prills, große Töne zu spucken. Und so beantwortet er die Frage, wie er sein erstes Jahr bei den Judo-Männern bewerte, fast bescheiden. "War ganz gut", sagt er, "ganz erfolgreich." In besonderer Erinnerung ist ihm allerdings der 9:5-Sieg über den haushohen Liga-Favoriten JC 66 Bottrop geblieben. "Das war ein Riesen-Erfolg, weil es so unerwartet kam", sagt er. Und letztlich waren seine beiden Siege am 4. August gegen den ebenfalls 17-jährigen Malte Peters enorm wichtig, obwohl an diesem Tag vieles schnell in Vergessenheit geriet, weil Florian Heimlich in der 66-Kilo-Klasse den ehemaligen Weltklasse-Judoka Oliver Gussenberg zweimal auf die Matte geklatscht hatte. Dennoch ist Valerie Prill längst nicht zufrieden, weil einige Kämpfe doof gelaufen seien. "Ich habe geführt und doch noch verloren", sagt er. Wie zum Beispiel in Leverkusen, als es für den JC Koriouchi nur ein enttäuschendes Unentschieden gab.
Valerie Prill, der das Sportinternat Hannover am Olympiastützpunkt Niedersachsen besucht, will aber als Judoka noch viel mehr erreichen. Deshalb hat sich der Elftklässler zum Sprung ins deutsche Judo-Oberhaus entschieden. Zum einen hat in Witten schon sein Vater - ebenfalls in der 60-Kilo-Klasse und ebenfalls mit dem Vornamen Valerie - gekämpft, und zum anderen "habe ich dort bessere Möglichkeiten, mich zu steigern", sagt der Superleichtgewichtler. Schließlich habe er bei den Deutschen Einzel-Meisterschaften - "bei den Männern", wie ein 17-Jähriger sagt - gespürt, dass er mithalten könne. Mit den Männern, wohlgemerkt. "In der 1. Bundesliga habe ich mehr Konkurrenz", sagt er. "In der 2. Bundesliga ist es doch einfacher."
Die Erstliga-Luft soll ihm auch helfen, seinen Traum für 2008 zu erfüllen. Im September werden in Polen die Europameisterschaften und im Oktober in Vietnam die Weltmeisterschaften der U-20-Judoka ausgetragen. Zunächst einmal geht es darum, überhaupt von Bundestrainer Detlef Ultsch, dem zweimaligen Weltmeister der ehemaligen 86-Kilo-Klasse (Mittelgewicht), nominiert zu werden.
"Die Konkurrenz in der 60-Kilo-Klasse ist hoch. Wir sind vier C-Kader-Athleten, und jeder kann was zeigen", sagt Valerie Prill, der sich wie seine Mitstreiter durch viele Qualifikations-Turniere kämpfen muss. Und er kann sich zurzeit auch nicht vorstellen, dass nur ein deutscher U-20-Judoka beide großen Turniere bestreiten wird. Er geht davon aus, dass die EM und die WM unterschiedlich besetzt werden.
Mit einer Medaille bei einem großen internationalen Turnier könnte er das schaffen, was seiner Schwester Wasilisa bereits im November in Salzburg bei den U-23-Europameisterschaften gelungen ist. Dort triumphierte sie - na klar - im Superleichtgewicht, das bei den Frauen die 48-Kilo-Klasse ist. Und in der nächsten Saison wird sie wir ihr jüngerer Bruder in der 1. Bundesliga kämpfen, allerdings nicht zum ersten Mal. Von den Hertener Panthern wechselt Wasilisa Prill nach Brandenburg zum Deutschen Meister und Klub von Olympiasiegerin Yvonne Bönisch, dem UJKC Potsdam. waz gelsenkirchen