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Ehemalige Kaderschmiede "knallhart"

Amberger Judoka Levent Weiß im Sportinternat in Frankfurt/Oder - Ziel: Europameisterschaft auf Malta - Trip nach Tokio
Amberg. Was macht man in der "nullten" Stunde? Gibt's die überhaupt? "Na klar", sagt Levent Weiß. "Um sechs Uhr aufstehen, und dann geht's los." Der 15-Jährige aus Amberg besucht seit August das Sportinternat in Frankfurt an der Oder, knapp 500 Kilometer von seiner Heimat entfernt. Und warum? "Ich will kein Hobbysportler werden, ich will groß rauskommen."


Einen Meter und 84 Zentimeter ist er groß, wiegt 97 Kilogramm - und seine Leidenschaft gilt dem Judo. "Das ist viel schöner als Fußball", sagt Weiß junior, der die Liebe zur japanischen Kampfsportart von Vater Weiß geerbt hat. Der Sohn soll sich so weit wie möglich entwickeln, deshalb fördert und unterstützt Albert Weiß seinen talentierten Sprössling. Er selbst habe zwar Judo betrieben, aber mit mehr oder weniger Erfolg: "Ich habe keinen verrückten Vater gehabt, der mich spazieren gefahren hat."

Im Alter von neun Jahren hat Levent Weiß mit Judo angefangen, trainierte zuerst beim JC Amberg, dann bei Bushido. Aufgrund seiner Erfolge seien andere Vereine auf ihn aufmerksam geworden, inzwischen ist er beim fränkischen TV Altdorf gemeldet. "Abensberg hat auch schon angerufen", sagt der Vater. Heuer holte Levent, der in der Gewichtsklasse über 90 Kilogramm startet, den Titel in Bayern, den zweiten Rang bei der süddeutschen Meisterschaft in Schwetzingen, und den dritten Platz bei der "Deutschen" in Hölle (Niedersachsen). Alles im Team, mit dem TSV Abensberg. Bei einem Sichtungsturnier in Osnabrück kämpfte sich der Amberger auf den ersten Platz vor - bei Teilnehmern aus vier Nationen. Niederländer, Spanier, Belgier und deutsche Judoka waren am Start. Und Levent Weiß rang den Vize-Europameister seiner Klasse, Andre Breitbarth aus Hannover, bei diesem Wettkampf nieder.

Heuer im März hatte der 15-Jährige eine Einladung erhalten, am Kindai-Cup teilzunehmen. In Japan. Zusammen mit vier anderen Kämpfern der U16 des Deutschen Judobundes machte sich Weiß auf die Reise nach Tokio - "ein Wahnsinnserlebnis."

Das Turnier ist eigentlich für japanische Schulmannschaften gedacht, seit Jahren werden aber auch Teams aus dem Ausland eingeladen. Heuer waren unter anderem Mannschaften aus Korea, Australien, Frankreich und den USA vertreten. Drei Siege auf der Matte steuerte Levent Weiß zum deutschen Erfolg bei (bis er sich im vierten Kampf verletzte), auf Rang sieben konnte sich das Team von Auswahltrainer Andreas Härtig platzieren.

Die Liste der Erfolge ist lang, kein Wunder, dass Förderschulen Interesse am stämmigen Amberger zeigten: "In Berlin wollten sie ihn unbedingt haben", sagt Albert Weiß, "aber das kam nicht in Frage, weil die Entfernungen von der Schule zu den Trainingsstätten zu groß sind, und Berlin auch zu teuer für uns ist." Schließlich fiel die Wahl auf das Internat in Frankfurt an der Oder, eine "ehemalige Kaderschmiede der DDR" (Albert Weiß). Dort erhalte sein Sohn die beste Förderung, neben Judo werden Jugendliche in den Sportarten Handball, Fußball, Gewichtheben, Boxen, Radfahren, Schießen und Ringen gefördert.

Die Trennung vom Papa, von seinem Kumpels in Amberg mache ihm "schon schwer zu schaffen", sagt Levent Weiß, aber: "Er wollte das unbedingt", sagt sein Vater. Der Stützpunkt in Großhadern bei München - viel näher als Frankfurt, das an der polnischen Grenze liegt - sei aber aus sportlichen Gründen ebenfalls nicht in Frage gekommen: "In München sind eher die Leichtgewichte daheim", sagt Vater Albert, während Frankfurt "schon sehr gute Schwergewichtler hervorgebracht hat." Der Oberpfälzer Nachwuchsjudoka teilt sich ein Zimmer mit Jonas Bauer (14) aus Brandenburg. "Unterkunft, Essen und Training sind einwandfrei", sagt Levent, der als sein Berufsziel "irgendwas mit Bundesgrenzschutz oder Bundespolizei" angibt - wo er auf jeden Fall mit Judo weitermachen kann. Denn: "Leben kann man vom Judo nicht", weiß Vater Weiß.

Auf jeden Fall muss sich der Junior gewaltig anstrengen ("Das ist knallhart hier"), will er seine näher gesteckten Ziele erreichen: Die Europameisterschaft der U17 auf Malta oder die Jugend-Olympiade in Belgrad. Beide Turniere finden im Juli 2007 statt, für eine Qualifikation hierzu muss Weiß bei fünf Einsätzen mit der Nationalmannschaft drei Medaillen holen - dann wird er nominiert. "Gewinnst du keine, dann fällst du durch den Raster", ist Levent der Druck bewusst, der nicht nur auf ihm und seinen Kollegen lastet, sondern auch auf Bundestrainer Richard Trautmann (Großhadern). Und deswegen heißt es, an drei Tagen im Internat (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) um sechs aufstehen, und mit der "nullten Stunde" beginnen - nämlich Unterricht in verschiedenen Fächern schon vor der "ersten Stunde".
Von Reiner Fröhlich 30.12.2006

Nun ist es geschafft, der Europameistertitel der U17 ist geschultert. Herzlichen Glückwunsch an Levent Weiß nach Bayern JiB - Judo in Bottrop
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