| Große Hoffnung: Shkumbin Dautaj gewann gegen Markus Schmitt seinen 81-Kilo-Kampf und verkürzte auf 4:5. Von Andree Hagel
Die bloße Nachricht ist, dass das Relegations-Turnier zur 1. Bundesliga ohne die Judoka des JC Koriouchi Gelsenkirchen stattfinden wird. Was jedoch dazu führte, ist mehr als eine bloße Nachricht. Es ist eine spannende Geschichte mit vielen, vielen wichtigen Darstellern, die es zu verantworten haben, dass das Team von Trainer Harald Mantei am letzten Kampftag der 2. Bundesliga mit 5:6 (50:40) beim Beueler Judo-Club das Nachsehen hatte und die Saison nur auf Platz drei beendet.
Beginnen wir, obwohl es die wohl einfachste Lösung ist, mit den Kampfrichtern: Als der JC Koriouchi nach dem ersten Durchgang mit 2:4 hinten lag, weil nur Sebastian Häfker (100 kg) - qualvoll gegen den 41-jährigen Peter Mitschein - und Jeffrey Meeuwsen (90 kg) gewonnen hatten, köchelte Ulrich Griesdorn, der Sportliche Leiter des JC Koriouchi. "Ich sage lieber gar nichts", sagte er. "Sonst werde ich zwei Jahre gesperrt."
Es gab sehr viele strittige Entscheidungen, bei denen sich das Trio um den Duisburger Hauptkampfrichter Efkan Dink vor allem einen Vorwurf gefallen lassen muss: Es wirkte in keiner Phase souverän. Die Verantwortlichen der Klubs diskutierten über den 60-Kilo-Kampf, den Valerie Prill gegen Marcus Richter verloren hatte, weil er in der Schlussphase auch taktische Mängel offenbarte, als er in einen Konter lief. Sie diskutierten über den 66-Kilo-Kampf, in dem Florian Heimlich in Dan Fasie erstmals in dieser Saison seinen Halbleichtgewichts-Meister fand. "Der hat nur Samba getanzt, aber nicht Judo gemacht", sagte Koriouchi-Trainer Harald Mantei über Beuels Rumänen. Deutlicher noch: "Die Kampfrichter haben im ersten Durchgang klar gegen uns entschieden."
Trauriger Höhepunkt aus Gelsenkirchener Sicht war die Auseinandersetzung im Halbmittelgewicht (81 kg). Während eines Laufwürgers von Yassin Grothaus signalisierte Beuels Alexander Schmoranz seine Aufgabe, es passierte aber bis auf eine Unterbrechung nichts - und der Kampf endete unentschieden.
2:4 nach sieben Kämpfen. "Das war's", sagte Koriouchi-Vizepräsident Erhan Baz. Er konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht ahnen, was sich am Samstagabend noch alles in der Hardtberg-Sporthalle an der Gaußstraße in Bonn zutragen würde.
Der zweite Siebener-Durchgang hatte andere wichtige Darsteller, mit denen auch nicht zwingend zu rechnen war. Christoph Glüsenkamp verlor seinen 73-Kilo-Kampf, Valerie Prill und Florian Heimlich gewannen auch ihren zweiten Kampf nicht, schafften aber jeweils ein Unentschieden - 2:5, und der Beueler JC brauchte nur noch einen Erfolg zum Mannschaftssieg. Stöpsel in die Ohren, Musik an, Spaziergang vor der Halle oder eine 1,50-Euro-Frikadelle futtern - alles tun, aber nicht mehr an den Sieg des JC Koriouchi glauben. "Die Jungs haben sich toll zurückgekämpft", sagte Harald Mantei später. Fast selbstverständlich bei diesem Zurückkämpfen waren die Siege von Lars Schüttken in der 100-Kilo-Kategorie, in der die Beueler keinen Kämpfer über die Waage geschickt hatten, und Jeffrey Meeuwsen. Aber auch Halbmittelgewichtler Shkumbin Dautaj packte es; mit einem Haltegriff gewann er gegen den aufgerückten 73-Kilo-Mann Markus Schmitt, nachdem er mit einer mittleren Wertung ("Yuko") hinten gelegen hatte, die der Beueler für einen Schulterwurf (Seoi-nage) erhalten hatte.
5:5, noch ein Kampf. Der JC Koriouchi träumte wieder, hoffte wieder, obwohl Willy Bilstra im Schwergewicht (+100 kg) schon im ersten Durchgang gegen den Rumänen Gabriel Munteanu verloren hatte. Vor allem Shkumbin Dautaj witterte seine Chance und zwickte noch einmal die Blumenkohl-Ohren seines holländischen Teamkollegen.
Hektik am Mattenrand. Plötzlich gab es wieder eine Möglichkeit in die Relegation. Und Willy Bilstra rackerte für diese Möglichkeit und lieferte dem Rumänen einen verbissenen Kampf. 36 Sekunden vor dem Ende aber erhielt er eine Strafe. "Total verschiedst", sagte Koriouchi-Trainer Harald Mantei. Obwohl: Wäre der Bilstra-Munteanu-Kampf unentschieden ausgegangen, wäre das Ergebnis des Mannschaftskampfes 5:5 gewesen. Und das hätte dem JC Koriouchi auch nicht geholfen. Bald Teamkollegen? Koriouchi-Schwergewichtler Willy Bilstra(re.) und Leverkusens Valentin Knobloch. |