Weltkampfrichter Krämer träumt von Olympia in London
23.12.2007, Von Michael Schütz und Friedrich Lück (Foto) westfalen post
Eisern. Weil er mit elf Jahren noch nicht Fußball spielen durfte, entschied sich Hans-Werner Krämer im April 1971 für eine Sportart, die damals noch in den Kinderschuhen steckte: Judo.
Er fuhr einfach mal mit dem Bus zur Reichwald's Ecke. Die damalige junge Schwarzgurt-Trägerin Ulrike Kaiser weckte die Begeisterung des Youngsters für Judo.
Heute ist der 48-jährige Eiserner nach einem unaufhaltsamen Aufstieg Sensai (Großmeister), Träger des 6. Dan und Weltkampfrichter. Er könnte bei den übernächsten Olympischen Spielen 2012 in London auf den Matten stehen.
Im Oktober endete der sagenhafte Höhenflug des früheren mehrmaligen Bezirksmeisters und Mitglieds der Lindenberger Bundesliga-Mannschaft vom Eiserner Gensberg auf der anderen Seite der Weltkugel. In der australischen Westküsten-Metropole Perth bestand Krämer bravourös die Prüfung als bester von zwölf Teilnehmern, von denen vier sogar durchfielen. "Ich träume vor allem davon, einmal in Amerika und Japan zu schiedsen. In Europa bin ich schon fast überall gewesen", betonte Krämer. Ob Moskau, Minsk oder alle Metropolen im Westen: Der Eiserner kennt sich auf allen europäischen Hauptstadt-Flughäfen aus.
Achtmal stand Krämer schon bei einer Europameisterschaft als Kampfrichter auf der Matte, einmal bei der Studenten-Weltmeisterschaft im serbischen Novi Sad. Da er seit zwei Monaten Weltkampfrichter ist, hofft er auf eine Nominierung für die Welttitelkämpfe der Junioren im nächsten Jahr in Vietnam.
Die Koffer im Hause Krämer sind meist gepackt. "Mindestens die Hälfte aller Wochenenden im Jahr bin ich unterwegs, das ist schon stressig. Das geht natürlich nicht ohne eine verständnisvolle Ehefrau", sagt der neue Weltkampfrichter. Gattin Dagmar schaut auf den vollen Terminkalender und muss schmunzeln.
Neben den vielen Bundesliga-Kämpfen, die Krämer schiedst, freut er sich besonders auf die deutsche Einzel-Meisterschaft. Seit Jahren wird der bekennende Bayern-Fan von einigen Kumpels aus Eisern begleitet, die mittlerweile vom deutschen Judo-Präsidenten Peter Frese aus Wuppertal als "HWK-Fanclub" bezeichnet werden. So auch bei den letzten nationalen Meisterschaften im hessischen Neuhof, die für Krämer die Generalprobe für die Prüfung in Perth waren.
Umwerfen kann den früheren Bundesliga-Kämpfer so gut wie nichts. Selbst der Flug nach Australien war keine Premiere, bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney war der Eiserner vor Ort, konnte schon einmal olympische Luft schnuppern. Krämer: "Das war damals ein Geburtstagsgeschenk und ein unvergessliches Erlebnis."
Unvergessliche Erlebnisse warten in Zukunft noch einige auf das Siegerländer Judo-Aushängeschild. Bei den Großveranstaltungen fachsimpelt er dann mit den Judo-Experten Dieter Gruschwitz (ZDF-Sportchef) und Alexander von der Groeben (früherer Europameister, jetzt TV-Kommentator im ZDF für Boxen).
Seine zweite große Leidenschaft Fußball spielt Hans-Werner Krämer mittlerweile übrigens auch, mittwochs kickt er bei den Alten Herren des TuS Eisern auf dem Kalmberg mit. westfalen post